Die Pfarrei Schnabelwaid
Zur Entstehung des Pfarrsprengels erwähnt Pfarrer Roßner 1667, da er keine genauen Angaben vorfand, „Es soll, wie alte Leute, namentlich ein alter Untertan und Maurer aus Langenreuth mit Namen Weißmann, gehört haben wollen, wohl über 100 Jahre ist es her, eine Filiale nach Lindenhardt gehört haben, und nur der jetzige Chor oder Turm die Kapelle und das Begräbnis der Künsberger als Herrscher über hiesigen Markt gewesen sein. Nachdem der Markt aber durch die Pest infizieret worden war, und die Verstorbenen nach Lindenhardt beerdigt worden sollten, habe man sich dort geweigert, mit den Worten, man solle solche Äser nur selbst behalten; worauf dann der damalige Künsberger beim regierenden Markgrafen von Brandenburg sich beschwert und auch darum gebeten habe, unter diesen Umständen für seine Gemeinde eine Kirche zu bauen, einen Pfarrer zu berufen und das Gotteshaus mit Unterhalt versorgen zu lassen. Daraufhin seien dieses Schulhaus und die Kirche gebaut worden, und das Gotteshaus seit dieser Zeit mit .Predigern versehen worden, welche die Künsberger herholten und installierten.“ Diese Tradition, die unbestimmt und allgemein gehalten ist, wird durch Urkunden bestätigt.
Aus den Urkunden des Staatsarchivs Bamberg, (Rep.25, Urkd.. Nr. 1040 u. 1041) geht hervor, daß Schnabelwaid 1592 Filiale der 1024 gegründeten Mutterkirche zu Lindenhardt gewesen ist. Die Urkunde Nr. 1042 gibt das Jahr der Trennung genau an; sie enthält ein ,,Verzeichnis des Pfarrers Geißler von Lindenhardt über alte Dokumente und Notizen von der Pfarrei Lindenhardt und dem Filial Schnabelwaid“ aus dem Jahr 1629. Darin heißt es:
,,Die 2. Filiale ist Schnabelwaid, welches aber Hans Friedrich von Kindsberg, nunmehre selig, daselbst zur Pfarr ab 1602 gemacht und interin all die Einkünfte und Accidentia, so vor alters zu denen Kirche und Schuldienst gefallen, seinem Pfarrer zuwendet. Da doch selbiger Pfarrer aus dem Amt Pegnitz seinen besten Zehenten, wie daselbst zu erkunden, hubt und nimmt. Man find auch, daß diese Prädicatur vor alters nur vor (für) den Besitzer des Schloß und sein Gesind angestellt und mit verschlossener Kirchtür vorricht werden solle. Und es für eine Ungerechtigkeit wider die hiesige Pfarr erkannt worden, wenn irgend ein Actus ohne des Pfarrers allhie Vorwissen, durch den Schloßpfarrer zu Schnabolwaid verrichtet worden.“ Daraus ergibt sich: Schnabelwaid wurde 1602 selbständige Pfarrei.
Auch die Pest im Jahr 1602 wird von Böhner bestätigt . Die Glaubwürdigkeit der Überlieferung, daß die Erhebung Schnabelwaids zur Pfarrei mit der Pest und dem unschönen Verhalten der Lindenhardter Pfarrei zusammenhängen, wird dadurch bestätigt. Die neue Pfarrei erhielt von ihrer ehemaligen Mutterkirche den Kirchenstiftungswald im Hasennest, wofür Lindenhardt einen anderen Stiftungswald von der Herrschaft Groß von Trockau erhielt.
Schon 1520 und 1534 wird der Frühmesser J. Hofmann erwähnt, die Frühmesse St. Johannes wird von den kirchlichen Oberen jedoch nicht bestätigt; vielleicht befürchtete der Pfarrer von Lindenhardt damit die Loslösung, oder es schien die Stiftungssumme (bar oder Erträgnis eines Zehnten) für eine ,,Konfirmation“ nicht ausreichend. (Ein Einkommen von 28 fl wurde um 1500 zur Stiftung einer Frühmesse als nicht hinreichend bezeichnet.)
Die Stiftung wird wahrscheinlich der Zehnte von Neuhof b. Pegnitz gewesen sein. Dazu kamen noch zwei weitere Zehnte, denn Pfarrer Schlegel erwähnt 1592 drei Zehnte; er beschwert sich auch darüber, daß der ,,Junoker“ die drei Zehnte ,,einfing“; die alte Kirche abbrechen und eine neue bauen ließ mit den Mitteln der Zehnten, während er ihm, dem Pfarrer Schlegel, die Stellung kündigte. Von diesen 3 Zehnten blieb nur der Neuhofer der Pfarrei bis ins 20. Jhdt. erhalten. Die andern beiden scheinen, nachdem sie zuerst wie der Neuhofer Zehnt zum Bau von Kirche und Pfarrhaus verwendet worden sind, für immer beschlagnahmt worden zu sein. Hans Friedr. v. Künsberg wird dafür die Baupflicht von Kirche und Pfarrhaus übernommen haben, oder er nahm die beiden Zehnten als Ersatz für die spätere Dotation durch Grundstücke.
1593 wurde die Hälfte des Preunersfelder Dorfzehnts ,,tot und lebendig“ dem Schnabelwaider Pfarrer vermacht, die andere Hälfte dem Creußner.
Einen dritten Bestandteil der Pfründe machte die Webelsteuer aus, die vorher dem Lindenhardter Kaplan zustand und spätenstens seit 1602 dem Schnabelwaider Pfarrer zufloß.
Den 4. Bestandteil stellten die Grundstücke dar, die wohl von Hans Friedrich von Künsberg gestiftet wurden, da er die Verpflichtung dazu übernommen hatte.
1590 waren sicher schon 5 1/2 Tag. Land Pfarrgrundstücke. (1912 besaß das Pfarramt 9,67 Tgw. Äcker und 19,17 Tgw. Wiesen.)
Den letzten Bestandteil der Pfründe bildete das Rechtholz aus dem Kitschenrain. Wieviel es damals war, steht nicht fest. (1805 bekam der damalige Pfarrer etwa 6 Ster, 1910 60 Stur Scheitholz.)
Seit dem Jahr 1602 waren die Kinsberger die Kirchenpatrone über Schnabelwaid; schon seit 1410 besaßen sie das Patronatsrecht über Troschenreuth. Als Markgraf Christian Ernst 1668 Schnabelwaid kaufte, vereinigte er beide Rechte, das ,,ius episeopale“ als Landesherr und das "ius patronatus“ als Besitzer.
1696 wanderte das Patronatsrecht wieder an Heinrich v. Bibra (einen Katholiken!) und seiner Familie.
1791 wurde Schnabelwaid eine Kgl. preußische Pfarrei,
1810 Kgl. bayrische Pfarrei.
1918 eins das ,,ius patronatus“ ganz auf das bayerische Kirchenregiment über.
Zurück zur Übersicht

