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Besitz der Ritter von Künsberg 1410 - 1668

Wie schon erwähnt, kauften Friedrich II. und Georg 1. die Herrschaft Schnabelwaid 1410 von den Leuchtenbergern. Schon vorher, 1408, war ,,Fridrich von Kinsperg zu Snabelwaid‘ erwähnt. Diese Künsberger entstammten dem Geschlecht der Edlen von Blassenburg, die schon in der ersten Hälfte des 12. Jhdts. in Erscheinung treten und ihren Namen von dem Schloß Blassenberg (jetzt Plassenburg, bei Kulmbach) ableiten, dessen Bewachung ihnen von den Grafen von Blassenberg anvertraut war.
Einer dieses Geschlechtes, Eberhard, trug den Beinamen ,Puer“, was man üblicherweise mit ,,Knabe, Kind“ übersetzt. Holle leitet von diesem Eberhard das Geschlecht der Künsberger in unserer Gegend ab, indem er meint Künsberg = Kindsberg. Böhner faßt dieses ,,Puer“ als ,,Edelknecht, Knappe“ aus dem Hause Blassenberg auf. Dieser Eberhard soll sich nach dem Verlassen seiner Stammfeste auf dem ,,Kindesberg“ einen neuen Sitz gegründet und davon seinen Namen entnommen haben. Kröll jedoch meint, wie auch noch andere, ,,Künsberg“ bedeute eine Verschleifung in der Aussprache von ,,Königsberg“. Dies weise auf einen ursprünglichen Königshof hin, wie neben anderen Orten auch Altencreußen zu den Königshöfen gezählt werde. Nach Bauer hatten diese Künsberger (ein altes meranisches Dienstmannen- geschlecht; um 1189 Usalc von Chunisgisberch) vom Burggrafen Friedrich und seinen Söhnen die Erlaubnis bekommen, ,,das Burgstall Kindsberg zu bauen und zu befestigen, welches Haus sie dann und ihre Erben von der Herrschaft ewiglich zu rechtem Mannlehen empfangen sollten; auch sollte es der Herrschaft offenes Haus sein.“ Mit einiger Sicherheit kann man als frühesten Zeitpunkt der Erbauung das Jahr 1216 annehmen. Neben Künsberg (das oftmals zerstört wurde und heute bis auf ein paar Grundmauern verschwunden ist, der Standort war in der Nähe Creußens) besaßen die beiden Söhne Eberhards (,,Puer“), Eberhard II. und Ramung I, auch Emtmannsberg. Von Eberhard II. stammen Heinrich 1. und Eberhard III.. Letzterer wiederum hatte 4 Söhne: Friedrich 1. auf Emtmannsberg, Heinrich II. auf Künsberg und Wernstein, Amtmann zu Berneck, Ramung II. und Eberhard IV., genannt der Altmann. Die Söhne Heinrichs II. waren Friedrich II., Georg I. und Ulrich I. Die ersten beiden nannten sich nach ihren späteren Besitzungen auch Friedrich II auf Schnabelwaid und Georg I. auf Schnabelwaid und Altenkünsberg später anstatt ,,Künsberg“).
Damit entstand eine Seitenlinie der Künsberger, die sich ,,auf Schnabelwaid“ nannte und im Jahr 1695 erlosch.
Gehörte damals schon zu Schnabelwaid bedeutender Grundbesitz, so vermehrte er sich innerhalb der nächsten 2 1/2 Jahrhunderte fortwährend, so daß Güter und Höfe zu Troschenreuth, Kaltenthal, Langenreuth, Preunersfeld, Stemmenreuth, Schwürz, je ein Gut zu Wolfsbach, der Hammer Leganz, Waldanteile am Kitschenrain, viele Weiher und Mühlen einbezogen waren. Auch eine Schäferei wurde bald eingerichtet.
Doch schon kurz darauf lagen die beiden Brüder, Friedrich II. und Georg I., wegen der Nutznießung der neuen Erwerbung in Streit. So entschied Markgraf Friedrich 1424 die Entzweiungen folgendermaßen;“daß die zwei Brüder ihre Amtsnutzungen und Barschaft gleichheitswohl miteinander teilen, beider Amtleute wegen der Schlösser und liegenden Habe sowie auch wegen der Brücke und des Tors zu der Snabelweide, welche die erwähnten Brüder beiderseits in das Schloß zu machen haben, das nähere bestimmen und beide Brüder nach Rat des Michel von Schauwenberg und Hans von Gutenberg einen guten Burgfrieden beschwören sollen. Bezüglich der Pfarre Dröschenrewt, welche Jörg von Künsberg seinem Sohne ohne Einwilligung seines Bruders Friedrich verliehen hat, soll es hierbei bleiben, aber diese Pfarre von beiden Brüdern zu Lehen gehen.“
Georg 1. von Künsberg zu Künsberg und Schnabelwaid hinterließ 6 Kinder: Eberhard V., Deutsch-Ordensritter, der 1477 starb, Felicitas, Adrian, Augustin, Rüdiger und Anna. Adrian kaufte 1446 Schloß und Markt Weidenberg und wurde damit Stammvater der ausgebreiteten Künsberg-Weidenberger Linie. Rüdiger hatte 3 Söhne: Johann, Georg II. und Friedrich, von denen Georg II. die Künsberg-Schnabelwaider Hauptlinie fortpflanzte. Dieser Georg vermehrte die Erbteile seines Vaters neben vielen anderen Erwerbungen auch um 6 Güter und Höfe zu Schnabelwaid, 1/2 Schenkstatt, 1/16 an der Badstube daselbst, 1/16 am Wald, Kitschenrain genannt, 1/16 an dem Gemeinweiher und um das Schloß zu Schnabelwaid. In den letzten Jahren seines Lebens wohnte er in seinem Familienhaus zu Creußen. Er starb 1557 in Creußen im Alter von 100 Jahren und wurde in der Stadtkirche begraben.
Während seiner langen Lebenszeit konnte er einen sechsmaligen Wechsel der Landesherrn beobachten:
1440 trat Markgraf Johann ( der Alchymist ) die Herrschaft über das obere Fürstentum an.
1457 überließ er das Fürstentum Bayreuth seinem Bruder Albrecht Achilles, der zuerst nur das untere Fürstentum besessen hatte.1486 war nach dessen Tod Friedrich das untergebürgische Fürstentum zugefallen mit der Hauptstadt Ansbach, während Siegmund das obergebürgische erhielt mit Kulmbach und dem Wohnsitz Plassenburg.
1495 nach dem Tod Siegmunds, standen beide Fürstentümer wieder unter einem Oberhaupt, seinem Bruder, als Markgraf Friedrich IV..
1515 beraubte Markgraf Kasimir seinen Vater der Freiheit und verwaltete dem Namen nach mit seinem Bruder Georg die Fürstentümer, wegen dessen häufiger Abwesenheit aber allein.
1527 nach dessen Tod, regierte Markgraf Georg (von Brandenburg) selbst allein die beiden Fürstentümer
Doch nicht immer blieb der Besitz zu Schnabelwaid in Künsbergischen Händen. Durch Erbschaft kamen Teile an ihre Verwandten. So erhielt 1483 Albrecht Fortsch zu Thurnau vom Markgrafen Albrecht zu rechtem Mannlehen ,,1/8 an dem Schloß zur Snabelwaid, dessgleichen an allen Welden und Weyern zu dem gemelten Sloß gehörend. Item ein Hoff darauf der Puchelmayr, Item 5 Selden uf der einen Jorg Voit uf der andern Hannß Zehe und uf der 3. Hannß Weber sitzen. Solch Hof und Selden zur Snabelwaid gelegen, Item 1/2 Hof zu Kaltental, darauf der Pock sitzt, und 1 Gütlein zu Ramsentale (Ranzental) gelegen, alles und igliches obgenannt mit aller seiner Ein- und Zugehörung von Herrn Hannsen v. Kindsberg, Ritter sel. uf ihn ererbt und erstorben“.
Am 6.9.1490 machte der Ritter von Lentersheim, Amtmann zu Bayreuth, nach dem Tode seines Schwiegervaters Friedrich von Künsberg dessen Anteil am Schlosse zu Schnabelwaid samt allen Eigengütern, die er dazu innegehabt hatte, mit der Maßgabe, daß sie hinfort Söhnen und Töchtern verliehen werden können, zu Lehen, nämlich: 1/4 am Schlosse zu Schnabelwaid mit dem Viehhaus, Stadel, 1 Gärtlein und 1/4 am gemeinen Weiher, 9 Sölden daselbst, zu Preunersfeld 2 Sölden, Schenkstatt, 1/4 der Badstube, zu Langenreuth 5 Sölden, 2 zu Troschenreuth, 20 Tgw. Wiesmat, die Beheimreut genannt, das Vichtig unter Langenreuth, 1/4 am Hammer Legentz, 1/4 am Hammersleitenholz, 1/4 an der Haydmühl, 1/4 am Wald Kutschenrain, 1/4 am Gemeinweiher unter Zutz (Zips) gelegen, 1/4 an 2 Weihern zum Hag zwischen Bayreuth und Creußen, das Schloß Kindsberg, das vorher Lehen gewesen war, mit samt 2 Sölden und 1 Garten, 1 Hof zu Tiefental..., 4 Höfe zu Kaltental mit 6 kleinen Weiherlein und 1/2 Weiher zu Kindsberg gelegen mit allen Zugehörungen. Dieses Lehen wurde geschätzt auf 6000 Gulden. Wilhelm von Lentersheim erhielt dafür eine jährliche Besoldungszulage. Damit wurde der restliche Teil des Besitzes der Schnabelwaider Künsberger markgräflich-brandenburgisches Lehen, nachdem schon zuvor ein Teil des Besitzes nach und nach zu Lehen aufgetragen worden war. (1470 bereits der Anteil des Hans von Künsberg). Das 15. Jhdt. brachte auch für Schnabelwaid unruhige Zeiten. Dazu trugen die Streitigkeiten mit der Krone Böhmens und den Pfalzgrafen bei. (s. Kapitel ,,Streit und Gericht“). Doch es kam bedeutend schlimmer: Die Anhänger des 1415 zu Konstanz verbrannten Prager Hochschullehrers Johann Hus suchten ihren von der Kirchenversammlung verworfenen Glaubenssätzen mit Gewalt zum Siege zu verhelfen und griffen zu den Waffen. König Siegmund, der sich ihnen entgegenstellte, wurde geschlagen, ebenso mehrere andere Heere. Das Kriegsvolk der Reichsstadt Nürnberg fügte dem Bayreuther und Oberpfälzer Gebiet großen Schaden zu, als es nach Böhmen zog. Der Markgraf Friedrich, der vom König zum Heerführer gegen die Hussiten ernannt worden war, richtete ebenfalls nichts aus und zog sich, ohne einen Zusammenstoß gehabt zu haben, zurück. Ein weiterer Zug im Jahre 1427 endete bei Mies mit einer Niederlage und der Flucht aus Böhmen. Nun fielen die Hussiten plündernd in die deutschen Nachbarländer ein. Überall verübten sie unsagbare Greueltaten. Hof, Münchberg, Gefrees, Berneck mit der gleichnamigen Burg, die seitdem öde liegt, wurden geplündert und zerstört. Weiterhin fiel Kulmbach, Bayreuth wurde von den Hussiten ,,geblündert, außgebranndt und in die aschen gelegt“, Creußen, Pegnitz, Plech und die Dörfer der Umgebung gingen in Flammen auf. Auch Schnabelwaid wird wohl zerstört worden sein. Und weiter zogen die Hussiten bis ins Bamberger Land.
Die Folgen waren eine verarmte Bevölkerung, zerstörte Burgen, Schlösser, Städte, Dörfer und Kirchen. Manche Kirchen, Schlösser und Burgen blieben eine Ruine und wurden von Wald und Gras zugedeckt. Doch nicht lange blieb es ruhig in der Markgrafschaft. Zwischen Markgraf Albrecht, seit 1470 Kurfürst der Mark Brandenburg, (später Achilles genannt) und der Reichsstadt Nürnberg brach ein verheerender Krieg aus, an dem sich auf der Nürnberger Seite der Bischof von Würzburg und 72 Reichsstädte (die aber nur wenig Unterstützung gewährten), auf Albrechts Seite 21 Reichsfürsten aus ganz Deutschland, 5 Bischöfe, 41 Grafen aus dem ganzen Reich und der größte Teil des mitteldeutschen Adels beteiligten. Doch in jener Zeit trug man sich nicht mit großen Kriegsplänen. Es wurden kleine Raub- und Streifzüge unternommen, wobei alles weit und breit verwüstet wurde. So unternahm der Pfleger von Weiden, Paulsdorfer, 1461 von Kemnath aus mit einem oberpfälzischen Aufgebot einen Einfall und nahm Neustadt am Kulm, Altencreußen, Frankenberg, Creußen und Schnabelwaid, verbrannte viele Dörfer und kehrte mit reicher Beute und 1500 Stück Vieh in sein Standlager zurück.
Zu den Unruhen dieser Zeit kamen auch noch weitere Schwierigkeiten, wie Wassermangel, Hungersnot und Teuerung, Viehsterben und verheerende Seuchen, die von den Kriegern mit in die Heimat gebracht wurden. Im Oberland fanden Judenverfolgungen statt. Auch Raubritter und Fehden von Edelleuten beunruhigten die Straßen. Deshalb ließ Markgraf Albrecht nach Schweizer Vorbild Wachttürme errichten oder Wachtposten auf Kirchen und Türmen aufstellen. Solche Warten waren auf dem Sophienberg, auf dem Lindenhardter Kirchturm, auf der Hohenwart zwischen Schnabelwaid und Creußen, auf dem Böheimstein, auf dem Rauhen Kulm und dem Rehberg nahe der Plassenburg. Alle Warten waren mit 2 Wächtern besetzt, die Tag und Nacht Ausschau halten mussten. Bei Gefahr wurde ein Feuer entfacht, das der eine Wächter unterhalten musste, damit es von den anderen Türmen gesehen und dort ebenfalls ein Flammenzeichen gegeben werden konnte, indes der zweite Wächter zum nächsten Amtmann eilte. Dadurch konnte der Landesherr schnell den Ausbruch einer Gefahr erkennen.
Georg II. von Künsberg hatte zwei Söhne, Adam und Hans Thomas. Während Hans Thomas ohne Erben starb, pflanzte Adam von Künsberg auf Künsberg und Schnabelwaid die Sohnabelwaider Familienlinie fort. Bei dem Tod ihres Vaters (1557) waren die beiden Brüder noch minderjährig. Daher wurden ihnen Melchior von Sekkendorf und Wolf von Gottsfeld als Vormünder bestimmt, welche die Lehen in ihrem Namen empfingen. Als sie 1548 großjährig wurden, erhielten sie die Lehen selbst. Aus der Belehnung vom Jahr 1559 ist auch zu ersehen, daß Adam von Künsberg 5 Güter zu Troschenreuth nebst allen Zehnten sowie einen Anteil am Gut Gunzendorf besaß. Diese Güter lagen im Amt und Landgericht Auerbach und waren somit dem Pfalzgrafen unterworfen, der wegen der ,,Landsasserei“ und der sich hierauf gründenden Abgabe des Steuerumgeldes erhebliche Forderungen stellte. 1565 wurde zwischen den Beamten des Pfalzgrafen auf der einen, Adam von Künsberg auf Schnabelwaid und den Weidenberger Künsbergern auf der anderen Seite ein Vergleich getroffen. Als diese Güter später in die Hände des Hans Friedrich von Künsberg auf Schnabelwaid kamen, wurde vor dem Bischof Eberhard zu Speyer auf dem Regensburger Reichstag endgültig alles bereinigt.Adam von Künsberg erwarb auch zusammen mit Jobst und Joachim von Künsberg von der Weidenberger Linie 2/16 Antheil an Schnabelwaid als der wüsten Kemnath, Hofraith und Ringmauern mit aller Nutzung an Gütern, Wäldern, Hölzern, Weihern nebst Zugehör und Gerechtigkeit, wie auch noch andere Lehenstücke und Gefälle, die zuvor Wolf von Künsberg frei eigentümlich besessen hatte und dem Markgrafen Albrecht zu rechtem Mannleben aufgetragen worden waren. Dazu kaufte Adam von Künsberg noch 1/16 an den Gütern um Schnabelwaid von Friedrich und Wolf von Arnim zu Seidwitz. Nach dem Aussterben der Wernsteiner erbte er auch 1571 die Hälfte von Wernstein, Hain, Schmeilsdorf und Thurnau.
Nach Adams Tod errichteten seine drei Söhne, Georg Sigmund, Hans Adam und Johann Friedrich einen neuen Güterteilungsvertrag, wonach aufgrund des väterlichen Testaments Georg Sigmund die Güter Wernstein und Schmeilsdorf, Johann Adam Thurnau und Zugehör und Hans Friedrich Schnabelwaid mit dem Stammhaus Künsberg zur Hälfte erhielt. Zugleich wurde festgesetzt, daß 1. keiner von den 3 Brüdern und ihren Erben von ihren Familiengütern etwas verkaufen oder verpfänden dürfe, 2. die Allodien von den Lehensgütern nicht getrennt werden, und 3. beim Aussterben des Mannesstammes einer Familienlinie die vorhandenen Allodialerben nur die bereits normierte Ablösungssumme fordern und 1 fl Rente mit 20 fl ablösen, 4. diese Erbteilungssatzung für alle Folge als Hausgesetz gelten solle.
Auf diese Weise waren 3 Familienlinien entstanden:
1. die Wernsteiner durch Georg Sigmund von Künsberg
2. die Thurnauer durch Hans (Johann) Adam von Künsberg
5. die Schnabelwaider durch Hans Friedrich von Künsberg, die mit Adolph Albert
von Künsberg auf Schernau und Adelsdorf im Jahre 1695 ausstarb.
Nach einer Chronik von 1490 werden für den Ort Schnabelwaid aufgezählt:
1 Hof, 1 Schenkstatt, 1 Badstube und 9 Sölden. Auch das 16. Jhdt. war eine unruhige Zeit. 1504 entbrannte zwischen dem Herzog Albrecht V. (dem Weisen) von Oberbayern und dem Pfalzgrafen Ruprecht wegen der Erbschaft des Herzogs Georg des Reichen von Landshut ein neuer verheerender Krieg, der auch unser Gebiet in schwere Mitleidenschaft zog. Der Kaiser sprach über den Pfalzgrafen die Reichsacht aus, die zu vollstrecken alle benachbarten Reichsstände aufgefordert wurden. Während vom Süden her ein Teil, namentlich Herzog Albrecht selbst, die vom Kaiser gesandten Truppen und der schwäbische Bund, die Pfalzgrafen angriff, standen ihnen im Norden hauptsächlich die Söldnerscharen der Reichsstadt Nürnberg und auch Markgraf Friedrich mit seinen Söhnen gegenüber. (Auch die Künsberger werden mit teilgenommen haben). Hin und her tobte der Kampf, Lauf, Reichenschwand, Hersbruck und Nappurg wurden von den Nürnbergern genommen und viele andere Ortschaften. Pegnitz wurde ein Opfer der Pfälzischen. Die Zerstörungswut dauerte fort, wobei manchmal an einem Tag ein halbes Dutzend Ortschaften zerstört wurden, bis sich beide Teile erschöpft nach Frieden sehnten. Er wurde 1505 zu Köln geschlossen. Inzwischen hatten sich weltbewegende Ereignisse zugetragen, die auch an der Markgrafschaft nicht teilnahmslos vorbeigingen:
Der Augustinermönch Martin Luther hatte seinen Kampf mit dem Papsttum begonnen, seine Lehre hatte in einem großen Teil Deutschlands den Sieg errungen. Markgraf Kasimir, der vor seiner Verheiratung dem geistlichen Stand als Domherr angehört hatte, mußte die Predigt des Evangeliums freigeben. (Landtagsabschied von 1524)
Doch bei vielen erweckte der neue Glaube Mißtrauen, da die Bauern, vor allem in den geistlichen Fürstentümern, die verkündete evangelische Freiheit auf das staatliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Gebiet übertrugen und ihr recht drückendes Joch abschütteln wollten. Der Aufstand begann im Schwarzwald und breitete sich fast über ganz Deutschland aus. In Franken rotteten sich die Bauern zusammen, verweigerten den Zehnten und begannen mit dem Anzünden der Zehntscheunen. Während sich die bambergischen Bauern unter 4 Befehlshabern bei Hallstadt zusammenrotteten und alle Schlösser auf dem Grund und Boden des Hochstifts zerstören wollten blieben die Untertanen von Markgraf Kasimir verhältnismäßig ruhig, denn sie waren so sehr nicht unterdrückt. Dagegen wurden im Bamberger Gebiet mehr als 75 Burgen und Schlösser verwüstet.
Aus Schnabelwaid ist zum Bauernaufstand folgendes zu berichten:
1525 wurden Schloß und Dorf Schnabelwaid von den aufrührerischen Bauern eingenommen und darin Jörg von Künsberg und Wolf von Aufsess gefangen weggeführt. Die Einwohner Schnabelwaids hielten sich zu den aufrührerischen Haufen. Dafür rächte sich bald Jörg von Künsberg an ihnen durch allerlei Bedrückungen und hatte an dem markgr. Pfleger zu Beheimstein einen getreuen Helfer. Die Schnabelwaider beschwerten sich darüber beim Markgrafen, ,,wegen großer Bedrängnis und Beschädigung der Untertanen“, worauf die beiden eine Rechtfertigungsschrift an den Markgrafen sandten.
Doch dürften diese Gewalttätigkeiten der unruhigen Bauern eine Seltenheit gewesen sein; wohl entstanden in Oberfranken da und dort aufrührerische Haufen, doch scheint es ihnen an rechten Führern gefehlt zu haben. So wurde auch geplant, die Plassenburg zu stürmen, doch zur Ausführung kam es nicht. Markgraf Kasimir konnte ohne Gefahr für sein Land mit 1400 Mann dem Bamberger Bischof zu Hilfe eilen. Als der Aufstand niedergeschlagen war, ließ er auch in seinen beiden Fürstentümern etwa 200 Bauern umbringen. Aus Bayreuth, Pegnitz und Kulmbach wurden 14 Mann enthauptet. Thomas Groß zu Reitzendorf, der ,,Junker Bauer“, wurde einige Monate in Gefangenschaft gehalten. Markgraf Kasimir nahm allgemein blutige Rache für Vergehen, die so stark nicht gewesen waren.
Nach seinem Tod hielt die neue Lehre unter Georg ,,dem Frommen“ Einzug in die Markgrafschaft.
Im Jahre 1541 musste er seinem 19-jährigen Neffen, dem Sohn Kasimirs, Albrecht dem Jüngeren, einen Teil der brandenburgischen Länder abtreten. Dieser Albrecht erhielt das obergebirgische Fürstentum.)
Von diesem wurde 1548 eine Reichsanlage nicht nur auf seine Domänenuntertanen, sondern auch auf die ritterschaftlichen Güter seines Gebietes umgelegt und von dem landesherrlichen Rentmeister eingetrieben. Während viele Rittergutsbesitzer ohne Widerspruch zahlten, versprachen neben anderen auch die Rittergutsbesitzer von Schnabelwaid ihre Beiträge nachzuliefern.
Markgraf Albrecht (auch ,,Alcibindes“ genannt) zog als eine Art Landsknecht größeren Stils bald im Sold des einen, bald im Sold des anderen Glaubensbekenntnisses umher. Die Empörung des Kurfürsten Moritz von Sachsen benützte er, um über die Bischöfe von Bamberg und Würzburg und die Reichsstadt Nürnberg herzufallen (1552). Er zwang den Bamberger Bischof zu einem Friedenschluss, den dieser aber nicht einzuhalten gedachte. Als ihm der Bischof Anlaß gab verwüstete er 1555 wieder viele Schlösser, Orte und Burgen in dessen Gebiet. Anschließend zog er plündernd und brandschatzend durch die Nürnberger Lande. Die Nürnberger übten Vergeltung und besetzten unter anderem auch Creußen. Ferner nahmen die Nürnberger Rittmeister Lamb und Schwaiger auch das ,,schloss und flecken zur Schnabelwaid Die Gegner des Markgrafen teilten sich nach dessen Vertreibung sein Gebiet. Dabei hatte der Burggraf von Meißen die Hauptmannschaft Bayreuth inne. Nachdem dann der Kaiser das Gebiet selbst übernahm, wurde es schließlich 1557 an den Vetter von Albrecht, Georg Friedrich von Ansbach, übergeben, den Sohn Georgs des Frommen. Unter ihm kam wieder Ruhe in die Markgrafschaft.
In das 16. Jahrhundert fällt auch der Einzug der Reformation in Schnabelwaid, das bis 1602 eine Filialpfarrei Lindenhardts war. (siehe Kapitel ,,Das Pfarrwesen“)
Anfangs des 17. Jhdts. brach die Pest in der Markgrafschaft aus. Dazu ist zu lesen : ,,In diesem 1602. Jhar hatt vnns vnser lieber Gott vnd Vatter Mitt seiner vatterlichen rutten vnd straf Anhaimbs gesucht, dann zu Bayereuth vber die 1000 Menschen Man und weib, Jung vnd Ald gestorben, welches bey Zeitten vnd In dem Mertzen Angefangen vnd biß In November geweret. Item zu Schnabelwaid und Lintenhaar gleichfals gestorben, zu Schnabelwaidt der Anfang geweßt, vnd wir Mitten dannen gesessen vnd hatt vns vnser lieber getreuer gott vnd vatter so lang Erhallten Biß in dem letzten Monatt Augusto.“ Es werden nun 66 Personen aufgezählt, die innerhalb 4 Monaten an der Pest verstarben, und schließt mit den frommen Worten ,,Gott der Allmechtig hat vnß nur den Anblickh seines Zorns sehen lassen vnd ein gnedige stroff gegen die Vnsern vorgenommen. Behutte vns lieber Herr Jesu Christi vor diser Abscheulichen Seuch und Pestilenzs vnd vor Allem Vnfall vnd Beschere vnß Ein gesundes Fridliches vnd Freudenreiches Neue Jhar. Amen“.
Unter dem neuen Landesherrn, Markgraf Christian (seit 1605), wurde Bayreuth Hauptstadt des Fürstentums.
Während die Markgrafschaft ein friedliches erstes Jahrzehnt erlebte, nahm auch Schnabelwaid seinen Aufschwung, so dass es ein eigenes Rathaus besaß; an der Spitze standen 12 Ratsherren, von denen 4 Viertelsbürgermeister waren. Die Ausdehnung des Markts muss damals, namentlich nach der westlichen Höhe zu, grösser gewesen sein als heute. Mehrere Fleischbänke, eine Anzahl Bäcker und Wirte sorgten für die Bedürfnisse der Einwohner und Durchreisenden, da es an der Straße nach Nürnberg lag, und viele Reisende von Sachsen, Egerland und Plauen durchkamen. Für die Kleinbegüterten war der über die Höhen zu leistende Vorspann eine ergiebige Einnahme. Auch noch in der ersten Hälfte des 30-jährigen Krieges scheint diese glückliche, ruhige Aufwärtsentwicklung angehalten zu haben.Doch nun brach die Furie des 30-jährigen Krieges auch in die Markgrafschaft ein. Zunächst erfolgte eine schwere wirtschaftliche Schädigung im Land. Überall wurden Münzstätten errichtet und an die Leute der verschiedensten Stände, bis herab zum Schuster, verpachtet. Eine unerhörte Preissteigerung war die Folge. Bald darauf erschienen auch die ersten fremden Truppen in der Markgrafschaft. Man handelte nach dem Grundsatz, daß ,,der Krieg den Krieg ernähren müsse“. Während Markgraf Christian sich zunächst für die ersten 15 Jahre neutral gehalten hatte, und sein Gebiet durch die fortwährenden Durchmärsche kaiserlicher und schwedischer Truppen in Mitleidenschaft gezogen wurde, waren doch Leben und Eigentum der Bevölkerung weniger gefährdet. Doch trostlos wurden die Verhältnisse, als Gustav Adolf die kaiserlichen Heere aus Norddeutschland vertrieb und der Krieg sich in die südlichen Länder Deutschlands verlagerte. Markgraf Christian schloß sich dem schwedischen König an. Hans Heinrich von Künsberg , ein Sohn Hans Adams von Thurnau, stand bei Gustav Adolf in so hoher Gnade, dass dieser sogar den Taufpaten bei einem seiner Kinder machte.
Doch bald fielen die Kaiserlichen in der Markgrafschaft plündernd und raubend ein. Im Januar 1655 wurde Schnabelwaid von auerbachischen Kroaten geplündert. Bereits zwei Monate kam das Unglück noch schlimmer. Darüber schreibt Pfarrer Roßner: ,,Nachdem aber Anno 1655 d. 16. Martti nach bescheheneu Treffen zwischen Herrn Rosa, Frantzösischer Kriegsoffizier (Anm.: es dürfte ein schwedischer Offizier gewesen sein) undt einigen Kayserl. Truppen, welche in der Pfaltz gelegen und Gottsfeld zu plündern sind ausgangen, aber bey Kraimoos ziemlich geputzet worden, jetztgemelde Kayerserl. Soldaten sich rächen wollen, haben sie an dem gemelden Tage, nach dem Abzug Herrn Rosa von Creußen, worinnen er in Besatzung gelegen, nicht allein Creußen, Gottsfeld, Heydhoff, sondern auch allhiesiges Schnabelweyd in einer Stundt mit Feuer angestecket, welches ein hiesiger Bürger Hanß Pöhner, sonst Schneider Hänsel genannt, aus Notzwang hat müßen helffen anstecken, durch welchen Brand auch hiesige Kirche ist in Rauch auffgangen, indem die Fleischbäncke vor dem angelegenen Wirtsstalle sind angangen, durch die auff solchen Bäncken liegende Blaß Bälge der Orgel alsobald von innen die Kirche angefeuert und sodann eingeäschert worden. Dahero damahliger Pfarrer darauff von hier nacher Schwartzach ist promoviret worden.“ Den Soldaten auf dem Fuß folgten wiederum Seuchen und Pest. Die Greuel des 30-jährigen Krieges kann man heute noch aus einem alten Kinderreim vernehmen: ,,Die Schweden senn kumma, haben alles mitgnumma, haben d‘Fenster eingschlogn, haben‘s Blei davo‘trogn, haben Kugeln draus gossen, und die Bauern erschossen.“ Doch nicht nur von den Schweden, auch von den Kaiserlichen wurden unsagbare Grausamkeiten verübt.
Über die Greuel des 30-jährigen Krieges kann man sich in Grimmelshausens ,,Simplicius Simplicissimus“ informieren.
Zwar wurde nach der verlustreichen Schlacht der Schweden bei Nördlingen, nachdem viele Verbündete von den Schweden abgefallen waren, auch von unserm Markgrafen 1655 zu Dresden ein Friede mit dem Kaiser geschlossen. Aber dennoch nahm das Morden und Branden kein Ende, bis endlich der westfälische Friedensschluß 1648 dem Ganzen ein Ende bereitete.
Schon 1656 hatte ,,Ferdinand Christoph v. u. z. Altenkünßberg u. Schnabelwaid, Berndorf u. Lindenberg“ sein zu diesem Rittergut gehöriges, aber damals auch ,,durch das Kriegswesen verderbtes und abgebranntes“ Dorf Kaltental an den kurpfälzischen Richter Johann Caspar Michael verkauft, um sein ,,in Grund abgebranntes adeliges Rittergut Schnabelwaid“ wieder aufbauen zu können. Er konnte es trotz der unsicheren und ungünstigen Zeitverhältnisse tun und auch den Kirchturm wieder instandsetzen, auf den er zwei Glocken stiftete. 1658 vertrat die Schloßherrin Maria Helena von Künsberg die Patenstelle bei einer hiesigen Schmiedstochter, wie auch 1654 der Schloßherr und die Schloßherrin als Paten hiesiger Kinder genannt werden. So scheint sich die Schloßherrschaft eifrig um den Ort angenommen zu haben.
Während nun nach dem 30-jährigen Krieg überall wieder langsam aufgebaut wurde, verkaufte 1668 Georg Friedrich von Künsberg den Markt Schnabelwaid an den Landesherrn, Markgraf Christian Ernst um 4000 Gulden und 1000 Dukaten Leihkauf, ,,wozu denselben wohl nichts mehr als die Unehe bewogen, worinnen er mit seiner Frauen, Fr. Afra Blandina, einer geborenen Geiterin von Herolds-berg, viele Jahre gelebt und von ihr kurzum geschieden werden wollte, wiewohl er die Ehescheidung von niemand anders als dem Tod erlangen könnte, der aber mit ihm den Anfang machte.“

Die von Künsberg - Geschichte eines fränkischen Adelsgeschlechtes von Dr. Albert Elstner

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