Herrschaft der Preußen und Frankreich 1791
Am 2. Dezember 1791 schrieb Markgraf Alexander seine Verzichtsurkunde. In einer Besitzergreifungsurkunde vom 8. Januar 1792 übernahm der König von Preußen, Friedrich Wilhelm II, die Regierung über die ,,Fränkischen Fürstentümer“ (die ihm sowieso zugefallen wären, nachdem Alexander keinen Erben besaß). Dem Minister Freiherr von Hardenberg, der seinen Sitz in Ansbach bekam, wurde die Verwaltung aufgetragen, und er nahm die Fürstentümer für den König von Preußen in Besitz. Am 29. Febr. 1792 leisteten die Beamten und Geistlichen des Pegnitzer Bezirkes in Schnabelwaid dem neuen Landesherrn den Treueeid. Unter dieser folgenden Regierung wurden entscheidende Änderungen eingeführt. Vorher waren die hohe und niedere Gerichtsbarkeit oft getrennt; die niedere Gerichtsbarkeit war als erbliches Eigentum betrachtet worden. Durch das Lehenswesen waren die Herrschaftsbereiche der einzelnen Landesherren oft miteinander vermengt. Preußen machte diesen Resten des Mittelalters nun ein Ende, indem es den Grundsatz aufstellte, daß die fremden Hoheitsrechte über die im geschlossenen Gebiet eines Staates wohnenden Untertanen nur angemaßt seien, und daß alles, was innerhalb der Landesgrenzen liegt, dem Landesherrn des umschließenden Gebietes auch untertan sein müsse.
So wurden ohne weiteres die Landeshoheit über die Eingehörungen innerhalb seiner Grenzen, welche fremden Herrschaften unterstellt waren, in Besitz genommen. Damit schmolz der Adel zu einer geringen Zahl unabhängiger Glieder zusammen. Auch die Grenzen wurden neu gezogen, das Fürstentum Bayreuth wurde streng von der bayrischen Provinz Bamberg und der Oberpfalz getrennt. So wurde auch das umstrittene Preunersfeld einverleibt. Das Schnabelwaider und Creußener Amt wurden aufgehoben und für den Bereich der Rechtspflege eine ,,Regierung‘, für die Verwaltung eine ,,Kriegs- und Domänenkammer“ in Bayreuth eingerichtet. Das Justizamt Pegnitz wurde nach Schnabelwaid verlegt.
Als Friedrich Wilhelm am 16. Nov. 1797 gestorben war, und Friedrich Wilhelm III. den Thron bestiegen hatte, mußten alle Städte des Fürstentums Bayreuth zur Huldigung nach Berlin ,,1 Litteratus und einen aus der Bürgerschaft“ schicken. Aus Creußen wurden dazu Bürgermeister Künneth und der Stadtschreiber Schaidt gewählt.
Doch dauerten diese Verhältnisse in der vormaligen Markgrafschaft nicht lange. Seit 1792 begann Napoleon seinen Machtbereich auszuweiten. Der Krieg Frankreichs gegen Preußen hatte nur Truppendurchmärsche der Preußen und Österreicher zur Folge. Doch im Krieg Frankreichs gegen Österreich erschienen auch Franzosen in unserem Gebiet und es wiederholten sich beinahe die Greuel des 30-jährigen Krieges.
Im neuen Krieg des Kaisers gegen die Franzosen wurde unser Gebiet wieder durch Truppen durchmärsche belästigt. 1805 rückte Blücher mit 15 000 Mann in Bayreuth ein und belegte das ganze Oberland damit.
Durch den Vertrag von 1805 mußte Preußen das Fürstentum Ansbach an Napoleon abtreten und bekam dafür Hannover, Napoleon übergab jedoch Ansbach an Bayern, wie auch die freie Reichsstadt Nürnberg. Daß im Jahre 1805 Schnabelwaid noch nicht viel vom Krieg spürte, davon dürfte die Gemeindeteilung in diesem Jahr zeugen, bei der die vorderen oder auch unteren Bergteile zur Verteilung kamen bereits 1754 waren die oberen oder auch hinteren Bergteile aufgeteilt worden.
Doch schon im folgenden Jahr erlebte der Markt den Durchmarsch der Franzosen. So wurde an die Kammer nach Bayreuth am 8.10. 1806 berichtet: “Im hiesigen Markt ist kein Korn, kein Haber, keine Maß Bier, kein Branntwein, kein weißes Brot mehr und Franzosen ohne Zahl. In Zips haben sie eine Scheune angezündet, weil kein Haber zu bekommen gewesen.“ Am anderen Tag wurden mehrere Einwohner förmlich geplündert, alles Vieh, das man nicht in Sicherheit gebracht hatte, wurde fortgetrieben der Pfarrer und die Beamten wurden mißhandelt. Am 24.10.1806 rückte ein Geschütztroß mit 400 Pferden in Schnabelwaid ein.
Nach Pegnitz kamen in wenigen Tagen nacheinander auf dem Marsch 30 000 Mann und kurz darauf 18 000 Mann, so daß manches Haus während des großen Andranges 60 Mann beherbergen mußte. Nachdem im November dieses Jahres die Plassenburg nach hartem Widerstand (nur 629 Mann unter dem Befehlshaber Uttenhoven hatten sie gegen einige Tausend Bayern verteidigt übergeben worden war, hörten die Truppenmassierungen und die damit verbundenen hohen Kosten auf. Somit war die Herrschaft im Markgraft durch die Einnahme der Landesfestung gleichsam symbolisch an die Franzosen übergegangen. Gouverneur des Fürstentums wurde der General Le Grand de Mercey, die Leitung der ,,bürgerlichen Geschäfte“ übernahm der Staatsratauditeur Baron Camille de Tournon.
Im November 1806 wurden sämtliche Behörden auf Frankreich verpflichtet. Die Kriegssteuer betrug 2,5 Millionen Franken. (Das Fürstentum wurde im Vertrag von Tilsit offiziell von Preußen an Frankreich übergeben.) Das Tragen von Schießgewehren und die Jagd wurden öffentlich verboten. Die Bayreuther mußten sogar die französischen Siege in andern Ländern durch einen Dankgottesdienst feiern.
Damit wurden der Bevölkerung unheimliche Kontributionssummen auferlegt, jeder mußte einen Teil seines Verdienstes abgeben, ob er nun Geistlicher, Lehrer oder Schuster war.
1809 unternahmen die Österreicher den Versuch, die Franzosen zu vertreiben. Sie erklärten Frankreich den Krieg. Die Franzosen wurden dabei wieder aus unserem Gebiet vertrieben, die Beamten mußten den Österreichern den Amtseid leisten. Kurz darauf verjagten die Franzosen die Österreicher wieder - die Beamten wurden wieder auf Frankreich vereidigt die Pegnitzer mußten den Eid sogar schrifltlich einsenden.
Gegen vermeintliche Spione wurde energisch durchgegriffen. So wanderte auch der Justizamtsaktuar Pöhlmann aus Schnabelwaid ins Gefängnis.
Nachdem noch einige weitere Truppendurchzüge erfolgt waren, wurde das Fürstentum Bayreuth schließlich 1810 von Napoleon Bayern überlassen.
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