Unter der Krone Bayerns seit 1810
Nach dem Vertrag vom 28. Febr. 1810 zu Paris kam die Markgrafschaft Bayreuth an das Königreich Bayern als teilweiser Ersatz anderer abgetretener Gebietsteile. Doch mußten nun die jungen Leute als Soldaten im bayerischen Heer unter dem Befehl Napoleons dienen, da König Max Joseph dem Kaiser Napoleon zu Dank verpflichtet war.
Als die Franzosen ihren Feldzug gegen Rußland (1812) begannen, marschierten wieder endlose Scharen von Soldaten durch das jetzige Oberfranken, voller Siegeszuversicht, ein Jahr später fluteten sie in kläglichem Zustand wieder zurück. Doch Napoleon sammelte wieder sein Heer, zog dem Preußenkönig entgegen und wurde in der Völkerschlacht bei Leipzig am 18. 10. 1815 vernichtend geschlagen. Und nun marschierten die Verbündeten, denen sich auch der bayrische König angeschlossen hatte, über den Rhein zum Kampf gegen Frankreich. Jetzt bekam man Österreicher und Russen zu sehen. Im Gefolge der russischen Truppen kamen mehrere hundert elende, kleine Gepäckwagen, von russischen Bauern gelenkt, die, mit Schafpelzen bekleidet, von Schmutz und Ungeziefer strotzten. Daran erinnert heute noch im Volksmund das Wort ,,Wägelas-Russen“.
Noch ein paarmal wiederholten sich diese Durchzüge, als Napoleon aus Elba nach Frankreich zurückkehrte, und die Verbündeten wieder einen Feldzug gegen ihn unternahmen, bis die siegreichen Scharen nach dem zweiten Pariser Frieden (1815) endlich in ihre Vaterländer zurückkehrten.
Unter dem Freiherrn von Montgelas wurden in das Reformwerk, aufbauend auf der preußischen Staatsvereinfachung, auch die bayr. Neuerwerbungen mit einbezogen. Das Land wurde in ,, eingeteilt, ohne Rücksicht auf historische Verankerungen. Schnabelwaid war dabei in den ,,Obermainkreis“ einbezogen, der die Bayreuther Markgrafschaft und das Bistum Bamberg vereinigte. Ein Generalkommisariat und die Finanz- direktionen in Landshut, Regensburg und Bayreuth standen an der Spitze eines solchen Kreises. Die Gerichts- barkeit wurde den Stadtverwaltungen entzogen. Statt der Kammerämter wurden ,,Rentämter“ geschaffen. 1812 wurde aus dem Justizamt Pegnitz und der Stadt Creußen ein Landgericht II. Klasse, das seinen Sitz in Pegnitz finden sollte, doch blieb es weiterhin im Schnabelwaider Schloß und änderte 1840 seinen Namen sogar in ,,Landgericht Schnabelwaid“ (früher ,,Landgericht Pegnitz“).
Ein praktisches Beispiel dafür soll der Grundsteuerkataster der Gemeinde Schnabelwaid von 1844 darstellen. So steht unter dem Titel ,,Gerichtsbarkeitsverhältnisse“: ,,Das Kgl. Landgericht Pegnitz übt in der ganzen Steuergemeinde Schnabelwaid die Gerichtsbarkeit aus“, unter ,,Grundbarkeitsverhältnisse“ . Als Grund- herrschaft erscheint lediglich das Kgl. Rentamt“.
1848 wurden die letzten noch vorhandenen Adelsgerichte aufgelöst. Der Pegnitzer Gerichtsbezirk umfaßte nun 19 Gemeinden oder 21 Steuergemeinden mit 109 0rtschaften, Bronn, Buchau, Bühl mit der Steuergemeinde Boden, Creußen, Gottsfeld, Haidhof, Hainbronn, Höfen, Lindenhardt, Neuhof (bei Creußen), Ottenhof, Pegnitz, Plech, Prebitz, Schnabelwaid, Seidwitz, Spieß, Weidensees und Zips mit der Steuergemeinde Preunersfeld. Der Versuch der Revolution von 1848 wird auch in Schnabelwaid, wie in anderen umliegenden Ortschaften, keine besondere Veränderungen gebracht haben.
Im Krieg von 1866, der von Preußen gegen Österreich um die Vorherrschaft Deutschlands geführt wurde, gab es wieder einige Truppendurchmärsche durch unser Gebiet. So zog am 2.9.1866 eine Mecklenburgische Geschütz- führungsstaffel auf der Rückkehr von Nürnberg nach Hof durch Schnabelwaid. Die Soldaten sollen sich recht gut betragen haben.
Am 22.9.1867 wurde der Friede zu Berlin geschlossen. 1870/71 zogen die Deutschen wieder gegen Frankreich.
Um die Eisenbahnlinie gab es einen langen Kampf. An den Landtag in München waren von 1853 bis 1865 viele Bitten wegen der Bahnlinie Bayreuth - Nürnberg gerichtet worden. Vor allein die Frage der Linienführung, und ob die Linie Bayreuth-Nürnberg überhaupt gebaut werde, sowie viele andere Streitfragen mehr schienen nicht geklärt werden zu können. Doch als es 1872 zur Abstimmung im Landtag kam, brachte das Ergebnis bittere Enttäuschung. Es sollte die Bahnlinie von Nürnberg über Neuhaus, Auerbach, Kirchenlaibach ins Fichtelgebirge bis Eger weiterführen, ohne Bayreuth oder Creußen zu berücksichtigen. Auf viele Proteste hin, beschloß man dann, die Linie bis Neuhaus/ Pegnitz zu bauen und dann den nächsten Landtagsbeschluß abzuwarten. Doch bei der Kostenfrage kam man schließlich zu dem Ergebnis, eine Linie über Pegnitz wäre billiger zu erstellen als über Auerbach. So einigte man sich schließlich dahin, die Bahnlinie von Neuhaus aus weiterzubauen über Pegnitz bis Schnabelwaid, von dort nach Kirchenlaibach eine Abzweigung über Creußen nach Bayreuth wolle man zulassen. Damit sollte Schnabelwaid eine Art Knotenpunkt werden.
Die Eröffnung der Bahnlinie im April 1877 wurde von der Bevölkerung begeistert gefeiert. Im Anfang des 20. Jhdts. schließlich ging das Königreich Bayern im Deutschen Reich auf.
Anschließend sollen noch der 1. und 2. Weltkrieg kurz erwähnt werden:
Im 1. Weltkrieg waren 26 Gemeindemitglieder gefallen.
Am Ende des 2. Weltkrieges wurde Schnabelwaid doch noch in Kriegshandlungen verwickelt: In der Woche nach Ostern 1945 wurden auf dem Bahnhof 7 Lokomotiven von Tieffliegern zerschossen. während im Bürgerwald amerikanische Soldaten mit Resten deutscher Truppen kämpften, wurde die Konfirmation begangen. Die Neumiihle ging am Abend des 15. April in Flammen auf, als der einzige Sohn konfirmiert war. Am 18. April wurde Schönfeld zum großen Teil zerstört, als die Amerikaner die deutschen Truppen vom Kitschenrain vertrieben. Dabei ging auch ein großer Teil des Waldes in Flammen auf. Am 18. April wurde auch die Bahnhofswirtschaft in Brand gesteckt, weil man dort ein deutsches Widerstandsnest vermutete.
Im 2. Weltkrieg fielen aus Schnabelwaid 28 Männer, 18 werden noch vermißt.
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