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Die Grafen von Leuchtenberg und Schlüsselberg

Man kann nicht genau festlegen, in welchem Jahrhundert der Ort Schnabelwaid seine Entstehung fand. So erscheint in den Regesten im 12. und 15. Jhdt. Schloß und Ort Schnabelwaid noch nicht, während in der näheren Umgebung bereits genannt werden Troschenreuth als Drosekenrewt 1149, Preuschwitz als Briscewize 1149, Kinsberch 1225, Schwarza 1215 und Bühl als Buhil 1217. Doch beweisen viele Beispiele, daß urkundliche Erwähnung und tatsächliches Alter durchaus nicht übereinstimmen müssen. Nach Kröll waren die Orte Lindenhardt und Schnabelwaid bereits 1105/25 Teile der Creußener Herrschaft. Dieser spricht auch die Vermutung aus, daß im 12. Jhdt. als ursprüngliche Anlage vor dem Wasserschloß ein Turmbügel gewesen sein könnte, da die Bodenmaße inmitten des Wasserringes nicht viel größer als die der übrigen Turmhügel sind, die rings um Creußen gelagert waren. Der Durchmesser dieser Anlagen betrug zwischen 50 und 40 Meter.


Im Jahre 1104 empörte sich Kaiser Heinrich V. gegen seinen Vater, Heinrich IV. und beschwor dadurch furchtbare Verheerungen über den Nordgau herauf. Für den Beistand in diesem Kampf belohnte er die Brüder Eberhard, Heinrich und Meingoz von Otlohesdorf (Adelsdorf) mit einem Teil der Herrschaft Creußens mit dem Mittelpunkt Schnabelwaid. Diese Brüder sind als die Stammväter derer von Schlüsselberg anzusprechen, sie nennen sich nach ihren Besitzungen von 1156 bis 1151 auch "Reichsherren von Chrutsare, Croozsane, Crutsen oder Chrusine".


Man kann annehmen, dass unter diesen Schlüsselbergern der Ort oder zumindest das Schloß bereits gestanden haben, denn wenn hier von einem Mittelpunkt die Rede ist, so werden Ort und Schloß nicht erst jetzt entstanden sein.


Diese Herren von Otlohesdorf, die sich ursprünglich nach ihren Burgen Otlohesdorf, Creußen und Greifenstein nannten, bekamen den Namen "Schlüsselberger" erst nach dem Bau ihrer zwischen Waischenfeld und Rabeneck erbauten Burg Schlüsselberg, die heute bis auf die Grundmauern verschwunden ist. Ihr Geschlecht herrschte nach und nach über die halbe Fränkische Schweiz und stand überall in hohem Ansehen, so daß man sie gerne als Zeugen zu wichtigen Geschäften zuzog. Unter ihrer Herrschaft wurde auch eine Verbindungsstrasse zwischen Lindenhardt und Schnabelwaid hergestellt, die nach Weiglathal weiterführte und sich jener Altstraße einordnete, die von Auerbach nach Plankenfels verlief und zweifellos Teil eines weiter gespannten Verkehrsweges war.


Dieses Schlüsselbergische Geschlecht erweiterte seine Besitztümer durch Erbschaft und Kauf immer mehr. Vor allem der Letzte dieses Geschlechtes, Konrad III. von Schlüsselberg (1295 - 1547), war hochangesehen im Reich. Er wurde wiederholt in Urkunden von König Ludwig als sein Ratgeber genannt.


Er hatte dem König namentlich im Krieg gegen Friedrich den Schönen von Österreich wichtige Dienste geleistet. So hatte er in zwei Schlachten, bei Gammelsdorf und Mühldorf, gemeinsam mit dem Burggrafen von Nürnberg, Friedrich, ausschlaggebend eingegriffen und bekam dafür die Würde eines Reichsbannerherrn und das damit verbundene Reichslehen der Burg und Stadt Gröningen. Neben vielen anderen Lehen bekam er für seine Unterstützung mit einem eigenen Heer auch in diesem Gebiet als Pfand die Dörfer Neudorf, Kürbelsdorf, Büchenbach, Willenberg und Leups mit allem was dazu gehört, Gericht, Leut und Gut, bis alle Schulden an ihn zurückgezahlt waren. Diese Dörfer sollten an seine Erben weitergegeben werden, und falls er ohne Erben bliebe, sollte der Landgraf Ulrich von Leuchtenberg sein Erbe sein, der ebenfalls wie Konrad als Berater des Königs bezeichnet wurde.


Bei der Belagerung Neidecks im Jahre 1547 jedoch fand Konrad durch das Steingeschoß einer Wurfmaschine den Tod. Sein Nachlass wurde zum größten Teil an seine Gegner, die Bischöfe von Bamberg und Würzburg, und die Nürnberger Burggrafen aufgeteilt. Ein kleinerer Teil, worunter sich auch Creußen mit dem Mittelpunkt Schnabelwaid befand, kam an die Landgrafen von Leuchtenberg.


Diese Leuchtenberger waren mit den Schlüsselbergern sehr verbunden. Ihre Stammburg war auf einem hochragenden Bergkegel an der Luhe erbaut und wurde erst im Jahre 1654 von den Schweden zerstört. (Die Ruine der Burg steht heute noch). Auch sie traten bei allen wichtigen Entscheidungen jener Zeit mithandelnd auf und konnten noch im 16. Jhdt. mit mehr als 500 Reitern und über 1000 Mann Fußvolk ins Feld ziehen. Selbst, als sich in den einzelnen deutschen Staaten der Grundsatz der ausschließlichen Gebietshoheit ausgebildet hatte, vermochten sie noch immer ihre Selbständigkeit zu behaupten. Unter vielen anderen Orten sah auch das Rittergut Schnabelwaid mit seinen vielen Zugehörungen, darunter Kaltenthal und die große Waldung Kitschenrain mit den daran liegenden Ortschaften und Mühlen wie Preunersfeld und Ranzental, Langenreuth, Krug, Mühldorf Leganz, Putzmanns usw. in den Landgrafen seinen Lehensherrn: Wahrscheinlich haben diese Leuchtenberger den Besitz Schnabelwaid von den Schlüsselbergern geerbt, während sie viele weitere Güter von den bayrischen Herzogen als Pfand erhielten. Während Ulrich und Johann, Landgrafen von Leuchtenberg, im Jahr 1557 dem Kaiser Karl und der Krone Böhmens die Stadt Pegnitz und viele weitere Besitzungen verkauften, behielten sie doch einen kleinen Teil ihres Besitzes in dieser Gegend, namentlich Schnabelwaid mit Zubehör und ihren Besitz im späteren Creußener Amt. Doch nicht lange blieb das Rittergut in ihrer Hand. Im Jahre 1410 verkauften sie es an die Künsberger. Am 6. Mai 1410 setzten sie einen Kaufbrief auf: ,,Wir, Ulrich vnd Lewpolt, prüder, Lantgraven Zu dem Leuchtemperge,... geben zu kauffen in krafft ditzs brifs, vnsern liben besundern mit nahmen Fridrich vnd Jorgen von Kyndsperck geprüder vnd allen Iren Erben, Vnser Schloß vnd Vesten, genant zu der Schnabelweide mit allen Dörffern, Höffen, Hoffreydten vnd Zehendten, die darzu gehoren, vnd nemlichen mit dem kirchsatz. Zu Dröschenrewt, und auch aller andrer Lehen die Zu der Schnabelweide gehoren, vnd in den gericht gelegen sindt (und besonders alle Güter und Renten von Hämmern, von Wäldern und Höfen, und alles was dazu gehört und von alters darauf geerbt und an sie gekommen ist, es seien Weiher, Weiherstätte, Mühlen, Weiler, Höfe, Eigentum an Leuten, an Gütern, Gülten, Geleiten, Zollen, Fischwassern und Seen, an Mannschaft und Wildbann, zu Dorf, zu Markt und zu Feld, an Wäldern, Holzrecht und allen Hölzern, an Wassern, Wunnen, Weiden, Ackern, Wiesen, Stock, Stein, Weg, Stege, Gerichte, Leut und Gut, Nutzen über der Erde und darunter, besucht und unbesucht, wie das alles Namen hat oder wo das gelegen ist, es sei hier in dem Briefe benannt oder nicht, klein und groß, nichts ausgenommen, das alles wollen und mögen sie mit allen Ehren, Rechten, Gülten, Zinsen, Renten, Diensten und Fällen, Handlohn, Hauptrechten und Herrschaften, zu aller ihrer Notdurft innehaben, nutzen und nießen, besetzen und entsetzen und damit tun und lassen nach ihrem besten Willen,.... um 5000 Gulden Nürnberger Stadtwährung als freies Eigen.