VG Creußen

Stadt Creußen

Gemeinde Haag

Gemeinde Prebitz

 

WBA9

 

 

 
Link verschicken   Drucken
 

Wasserschloss Schnabelwaid

Vorschaubild

Das Schnabelwaider Schloss wird urkundlich erstmals 1410 erwähnt, als ,,Schloß und Vesten zu der Schnabelweide“. Man kann annehmen, dass es damals eine Art Wasserburg war. Seine Entstehung dürfte bis ins 14. Jahrhundert, wenn nicht sogar noch weiter, zurückdatiert werden. Ob es schon gestanden hat, als Eberhard, Heinrich und Meingoz von Otlohesdorf Creußen mit dem Mittelpunkt Schnabelwaid innehatten , was etwa um das Jahr 1140 anzusetzen ist, kann nicht behauptet werden. Doch ließe vielleicht das ,,Mittelpunkt Schnabelwaid“ zu dieser Annahme verleiten, es sei denn, dass mit diesem ,,Mittelpunkt“ nur das Zentrum eines Gebietes gemeint ist, welches auch noch nicht als Ort bestand und nur dem wildreichen Gebiet als eine Art Flurname galt. Von 1470-1490 wurde es den Markgrafen zu Lehen gemacht. In den markgräflichen Kriegen mit den fränkischen Bundesverwandten wird es wohl 1555 teilweise zerstört worden sei.

 

Zu Ende des 16. und im ersten Viertel des 17. Jhdts. ließ Hans Friedrich von Künsberg wahrscheinlich einen völligen Neubau errichten. Zwar sind urkundliche Angaben über diesen Wiederaufbau nicht bekannt geworden, doch lässt sich aus den verschiedenen Inschriften am Schloßgebäude die Bauzeit auf die Jahre zwischen 1588 und 1624 annähernd eingrenzen. Das Doppelwappen Künsberg - Berlichingen am Nordflügel trägt die Jahreszahl 1588. Die Bauinschrift über dem Portal des Treppenturmes zeigt die Jahreszahl 1604, die Inschrift über dem Schloßtor, die im Wortlaut mit der vorherigen nahezu übereinstimmt, nennt das Jahr 1614 (siehe Foto); der am 5. Geschoß des Eckturmes befindliche Wappenstein trägt das Datum 1624. Dass sich der Neubau über einen längeren Zeitraum erstreckte, bestätigt auch die Erwähnung einer ,,wüsten Kemenate“ im Jahr 1606 , während sie schon vor 1574 einmal genannt wurde.


K. Sitzmann vermutet, dass der Steinmetz und Maurermeister Linhard Strobel, ein Schwiegersohn des Baumeisters Caspar Vischer, am Schlossbau beteiligt war, da 1587 in Bayreuth Hans Friedrich von Künsberg als Pate seines Sohnes auftritt. Als im März 1655 auch das Schloss durch kaiserliche Truppen in Brand gesteckt wurde, musste 1658 Ferdinand Christoph von Künsberg sein Dorf Kaltental verkaufen, um das Schloss wieder aufbauen zu können. Man nimmt aufgrund des Baubefundes an, dass das Schloss bei diesem Brand in seiner Grundsubstanz erhalten blieb. 1668 wurde es von Markgraf Christian Ernst gekauft, und schon 1696 wieder veräußert an Hans Heinrich von Bibra. 1750 kam es von Philipp Vilhelm von Bibra wieder an die Markgrafschaft.


Von 1766 - 1797 war es Sitz des markgräflichen Oberamtes Pegnitz Schnabelwaid, Osternohe. Anschließend beherbergte es das Justizamt Pegnitz. Von 1812-1842 war es Sitz eines Landgerichtes zweiter Klasse. 1878 wurde die Oberförsterei von Oberlenkenreuth in das Schloss verlegt. Seit 1962 ist es Eigentum des Baugeschäfts Gröne aus Bamberg. Es wurde von Herrn Gröne Junior und seiner Gattin bewohnt. Nach dessen Tod 2015 lebt seine Frau allein in dem Schloss. 

 

1751 war nach einem Gutachten des Maurermeisters Bernecker und des Zimmermeisters Schmidt aus Creußen der Schlossturm sehr ruinös und bedurfte der Renovierung. Das Turmzimmer wurde 1752 stuckiert. Der Maurermeister Schmidt aus Creußen lieferte 1769 einen Riss und Voranschlag für einen neuen Brunnen im Schlosshof. 1772 war eine größere Baureparatur unter dem Bauinspektor Riedel erforderlich. Auf dessen Vorschlag wurde 1782/85 auch eine neue steinerne Brücke über den Schlossgraben geschlagen. 1784 stuckierte Johann Gerstendörfer aus Trockau zwei Zimmer. Die Haube des Schloßssurmes wurde 1785 erneuert. In der zweiten Hälfte des 19. Jhdts. wurden die Wirtschaftsgebäude an der Süd- und Ostseite abgebrochen. (Genauere Angaben sind nicht bekannt.).


Aus dem Urkataster von 1840 ist die ursprüngliche quadratische Anlage zu ersehen (siehe Beilage). Der Innenhof, in dessen Mitte ein Brunnen stand, war bis auf die von einer Gartenanlage eingenommene Nordostecke von Gebäuden umgeben. Der Nordflügel reichte weiter nach Osten als heute. Eine steinerne Brücke führte zur Tordurchfahrt, über den nördlichen Graben ein Steg zu dem Baumgarten (der auch heute noch teilweise besteht).


Das Schloss liegt am östlichen Ortsrand im Talgrund. Es besitzt eine persönliche Note, die es von allen Wasserschlössern des Pegnitzer Gebietes unterscheidet.

 

Dazu tragen der Wassergraben, der es zum großen Teil noch umgibt, und die völlig freie Lage mit einem weiten Wiesengelände als Hintergrund bei. Der Wassergraben hat eine Breite von ca. 12 m. Er scheint nicht mit Steinmauern gefüttert gewesen zu sein. Die Zufahrt erfolgt von Westen über einen aufgeschütteten Damm, in dem noch die alte Brücke stecken soll. (Nach Angaben der Familie Gröne waren sie bei Nachgrabungen auf Teile dieser alten Brücke gestoßen.)

 

Das zweiflügelige Schlossgebäude im Nordwesten des Geviertes hat hakenförmigen Grundriss. Beide Flügel sind zweigeschossig, der jetzt kürzere Nordflügel reichte ursprünglich 15 m weiter nach Osten.An den Westflügel schließt sich ein Schuppenbau jüngeren Datums an. An der Nordwestecke außen befindet sich ein mächtiger, dreigeschossiger Rundturm mit einer achtseitigen, geschieferten, wellschen Haube. Die Gesimse zwischen den Stock werken sind profiliert. Im Erdgeschoss sieht man drei Rundfenster und eine Stichbogentür, die wahrscheinlich auch jüngeren Datums ist.

 

Je drei gekuppelte Fenster sind in die Obergeschosse eingelassen. Das dritte Geschoss trägt nach Westen zu die Sandsteinwappen der von Künsberg, von Berlichingen und von Waldenfels mit der Inschrift ANNO 1624 H F V K Hans Friedrich von Künsberg). Auf einen Wehrbau machen die vier runden, abgetreppten Kanonenscharten im Erdgeschoss des Westflügels aufmerksam, die den allerdings viereckigen Scharten der Türme von Reichenschwand verwandt sind.


Das rundbogige Hauptportal im Westflügel ist mit mächtigen Bossenquadern eingefasst. Darüber befindet sich eine von kleinen Säulen flankierte Sandsteinplatte.

 

Unter den Wappen der von Künsberg und von Waldenfels steht die Inschrift:
Im Obergeschoss des Westflügels sind fünf gekuppelte und drei Einzelfenster zu sehen. Die Tordurchfahrt besitzt eine flache Decke mit Balkenunterzügen. Nördlich der Tordurchfahrt öffnet sich die Hofseite des Westflügels in zwei Rundbogenarkaden wie der innere Torbogen. Der Gang hat Kreuzgratgewölbe. Er wird leider dadurch verstümmelt, dass man den südlichen Teil in späterer Zeit zu einer rechteckigen Tür und zwei Fenstern zugemauert hat. Im Innenhof sieht man im Winkel der beiden Flügel einen runden Treppenturm mit rechteckigem Anbau nach Osten. Er wird durch das vorgezogene Schrägdach zwischen den beiden Flügeln überdeckt, war jedoch ursprünglich höher, wie die weiterlaufende steinerne Treppenspindel im Innern beweist. Das bemerkenswerte Renaissanceportal mit profiliertem Sandsteingewände wird von zwei Sitznischen flankiert. Über dem Portal ist eine zwischen Säulchen eingelassene Sandsteintafel zu erkennen, die unter den Wappen der von Künsberg und von Berlichingen fast die gleiche Bauinschrift wie die über dem Hauptportal trägt, nur ist hier die Jahreszahl 1604 genannt. Der Zugang zum Keller rechts neben dem Portal ist von verjüngten Pilastern mit Kugelaufsätzen flankiert, in der Mitte darüber sieht man einen profilierten Dreiecksgiebel. Das umlaufende Gesims ist hier niedriger als am Treppenturm. Darüber befindet sich ein gekuppeltes Fenster. Über einem anderen solchen Fenster dieses Flügels lässt das Allianzwappen der von Künsberg und von Berlichingen erkennen (darüber die Initialen H.F.V.K. V.V.B. mit der Jahreszahl 1588), wann mit dem Wiederaufbau begonnen wurde.

 

Die Architekturformen am Außenbau gehören nach Rühl alle der Renaissance (16. Jhdt.) an.
Die Räume im Erdgeschoss des Nordflügels haben Tonnengewölbe. Überhaupt enthält das Schloss im Erdgeschoss keine Wohnräume, sodass man hier wohl von einem Wehrbau sprechen kann. Der an den Eckturm anschließende Raum des Westflügels enthält einen zweischiffigen Raum mit drei Jochen,deren grätige, rippenlosen Gewölbekappen von zwei in der Mitte stehenden Steinsäulen getragen werden, voneinander getrennt durch flache Gurtbänder. die Basen der Säulen (aus einzelnen Trommeln zusammengesetzt), stecken im Boden. Erhalten aber ist ihr oberer Würfelabschluss, romanische Würfelkapitelle. Damit wären nach Rühl noch Bauteile der Romanik enthalten.

 

Schädler jedoch bezeichnet diese Kapitelle als Schildkapitelle und sagt weiter, eine ähnliche Kapitellform befinde sich in dem 1559/61 erbauten Schloss Röthenbach, Landkreis Wunsiedel.


In diesem großen Gewölbe von 10 x 15 m, das vom früheren Bewohner, dem Forstmeister, noch teilweise als Hasenstall verwendet wurde, vermutet Dr. Kunstmann die Schlosskapelle des ältesten Schlossbaues. Rühl dagegen ist anderer Auffassung. Er meint, nicht jeder gewölbte Raum könne als Sakralraum angesehen werden. Gewölbe, getragen von Säulen, kämen im Mittelalter in wirtschaftlich genutzten Räumen öfters vor, ja herauf bis in unsere Tage.


So enthalte z.B. das Untergeschoss des erst aus dem 16. Jhdt. stammenden Hersbrucker Amtsschlosses Gewölbe, die als Pferdeställe benutzt wurden, ja in Niederbayern beiderseits der Donau fänden sich heute noch Viehställe mit sogen. ,,böhmischen Gewölben“ und tragenden Säulen.
 

Für eine Schlosskapelle scheine ihm der Raum viel zu groß, er sähe darin lieber auch einen Pferdestall, ohne diese Annahme beweisen zu können. Er möchte die örtliche Tradition, welche die Burgkapelle im Rundturm sucht, nicht von der Hand weisen. Freilich würde es sich hier um eine wesentlich jüngere Kapelle handeln. So vermutet er diese Kapelle im früheren Amtszimmer des Forstamtes.


Südlich der Tordurchfahrt befindet sich ein weiterer kreuzgratgewölbter Raum, dessen runde Mittelsäule eine den Kapitellen entsprechende Schildbasis hat und am Kämpfer mit vier Maskenköpfen besetzt ist. Von den Räumen des Obergeschosses hat nur noch das Turmzimmer schlichten Rahmenstuck aus der Zeit des späten Rokoko. In dem großen Zimmer des Westflügels befindet sich ein zugesetzter offener Kamin. Darüber ist eine Stuckkartusche zu sehen mit bekrönendem Monogramm A, das auf Markgraf Christian Friedrich Karl Alexander zu beziehen ist. (siehe Foto)


Die Verteidigungskraft des Schlosses scheint in der Renaissancezeit nicht unbeträchtlich gewesen zu sein. Die Möglichkeiten auf den anderen drei Flügeln lassen sich heute nicht mehr feststellen. Eine vorgelagerte Zwingeranlage könnte vielleicht eine infanteristische Verteidigung erleichtert haben, wozu ja auch der breite Ringgraben beitrug. Außerdem hatte man nach allen vier Seiten freies Schussfeld, was auch heute noch zu erkennen ist.


Zum heutigen Aussehen des Schlosses ist noch zu bemerken, dass die jetzigen Besitzer die verschiedenen Räume wieder in einen Zustand brachten, der die Atmosphäre eines ehemaligen Adelssitzes ausstrahlt, zum Teil auch durch die Ausstattung mit passenden antiken Möbeln. (Sie hatten auch durch Nachgrabungen bestätigt, dass das Schloss auf Pfahlrosten erbaut ist.)