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Ev. Kirche Maria-Magdalena

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Dass Schnabelwaid schon vor der Reformation eine Kapelle besaß, weist Prückner in seiner Geschichte der Bayreuther Pfarreien nach. Dies ergibt sich auch daraus, dass für das Jahr 1520 Johann Hofmann als Frühmesser für die Frühmesse St. Johannes in Schnabelwaid erwähnt ist. Auch im ,,Zeit- und Handbüchlein für Freunde der theologischen Lektüre 1777“ heißt es. ,,Vor der Reformation war allhie eine Schlosskapella."
Pfarrer Roßner erwähnt in seinem Kirchenbuch von 1667, dass in früheren Zeiten der ,,Chor oder Thurm derer von Künsberg Gapelle als hiesig Marckts Herrschaft Capelle und Begräbniß gewesen seyn solle“. Auch eine Notiz des Kantors und Gerichtsaktuars Georg Schramm von Lindenhardt vom 2. August 1755 deutet auf eine vorreformatorische Kapelle hin. Die kleine Capelle zu Schnabelwaid war der hiesig Mutter Kirche ihre Tochter, und wann ein offenbarer grober Sünder hier in Bann getan wur­de, so musste er nach Schnabelwaid, zu der Patronin, der heil. Maria Magdalena gehen, und seine Sünde beweinen.“ Damit wird die Kirche mit Vorgängen zusammengebracht, die in die katho­lische Zeit der hiesigen Gegend zurückweisen.

 

Die Kapelle war also der Hl. Maria Magdalena geweiht, der Schutzpatronin der Mutterkirche zu Lindenhardt. (ob man sich der Meinung einiger anschließen darf, die Schlosskapelle und die Begräbnisstätte der Künsberger, also die Kapelle Maria Magdalena, nicht miteinander zu identifizieren, ist anzuzweifeln.) 1550 wurde in Schnabelwaid die Reformation eingeführt.


1591 ließ Hans Friedrich von Künsberg die alte Kirche (also die bisher genannte Kapelle) abreißen (und davon wohl nur das Schiff) und eine neue bauen. Der Bau scheint erst 1602 fertig gewesen zu sein. In diesem Jahr ersuchte Hans Friedrich von Künsberg den Markgrafen, für seine Gemeinde eine Kirche bauen zu dürfen , die aber schon gestanden haben muss.

 

Von weitem grüßt der markante Turm mit seiner Doppelzwiebel über das Tal. Er zeigt als höchstes Bauwerk von Schnabelwaid die Ortsmitte an. Der Turm mit seinen über vierzig Metern Höhe ist eines der wenigen Bauwerke, das mit seinen dicken Mauern den furchtbaren Brand vom 16. März 1633 überstand. Besonders von Südosten her scheint die Kirche fast nur aus Turm zu bestehen. Das Kirchenschiff schmiegt sich an ihn, als wolle es Schutz suchen. Das Oktogon (Achteck) des oberen Turmes wirkt prägend über die Kirche hinaus. Wir finden das Achteck wieder im Taufstein (1668), auf dem Gemeindevorplatz (1980) und beim Marktbrunnen (2000).

 

Auf welche Weise die Innenausstattung ohne allzu große Unkosten entstand, lässt sich aus Högl ersehen, wo es auf Seite 102 heißt: ,,Vom Kirchenornat (zu Troschenreuth) ist gar nichts mehr vorhanden, ist von Tobias von Künsberg (wohl der Sohn von Hans Friedrich) abgefordert und von Gotteshauspfleger nach Schnabelwaid getragen worden“, und den ,,Den Hochaltar (aus der Kirche von Gunzendorf) hat der Kinsberger nach Schnabelwaid führen und einen schlechten an die Stelle setzen lassen. Er hat auch eine schöne große Glocke hinweggenommen, nach welcher die Bauern heftig streben, und dagegen eine Kuhschelle herhangen lassen. Eben derselbe hat hinweggenommen: den Kelch, Chorrock, Taufbecken samt 40 £1 und ist gar kein Ornat vorhanden.“ Doch erreichte das mit nicht ganz einwandfreien Mitteln errichtete Kirchlein kein hohes Alter, denn 1633 wurde es ein Raub der Flammen. Der Chorturm hatte dem Brand anscheinend standgehalten, sodass nur das Langhaus wieder aufgebaut wer­den musste, was auch daraus hervorgeht, dass 1638 zwei Glocken von Ferdinend Christoph von Künsberg und seiner Gemahlin, Helena Maria, geb. Voiti von Rinek gestiftet wurden.

 

1696 erwarb der katholische Freiherr Hans Heinrich von Bibra Schloss und Ortschaft. Seine evangelischen Gattin Maria Christiana (Wtwe seit 1696), trieb die Behebung der letzten Kriegsschäden an der Kirche voran. So wurde der Turm im Jahr 1700 aufgemauert, bekrönt mit den Insignien der Schlossherrin (MCVB). Ab diesem Jahr datieren die Dokumente der Turmkugel. Des weiteren wurde die Sakristei angebaut und die 1. Empore errichtet. 1703 entstand die Kanzel im Markgräflerstil mir der Darstellung der Dreieinigkeit:

  1. Christus im Corpus der Kanzel (Salvator Mundi), umgeben von den 4 Evangelisten,
  2. Unter dem Kanzeldach der Heilige Geist als Taube, unter dem Pfarrer und Pfarrerinnen sowie Prädikanten und Lektoren ,,begeistert“ predigen dürfen
  3. Auf dem Kanzeldach Gott der Vater als Weltenherrscher.

 

Bei seinem Amtsantritt 1667 fand Pfarrer Roßner die Kirche in noch unfertigem Zustand und erwähnt, dass sie noch ziemlich unausgebaut war, in der Kirche sich weder Altar noch Taufstein fanden. So wurde 1668 von Sebastian Gütle ein Taufstein gestiftet, 1678 der Altar von dem Kulmbacher Bildhauer Hans Georg Brenck gefertigt und im darauffolgenden Jahr vom Goldkronacher Maler Konrad Fuchs ,,gemahlet worden“.


Die Bildhauerkosten betrugen 46 fl 2 kr, für Schreinerarbeit wurden 10 fl und für den Maler 80 fl bezahlt. Zur Bestreitung der Kosten trug die Markgrafin Sophie 80 fl bei 1680 wurde ein Orgelwerklein mit 6 Registern angeschafft. Der Chorturm erhielt 1699 durch den Maurermeister Hans Paul Dümbler aus Creußen anstelle einer Holzdecke ein Kreuzgewölbe, und das achteckige Glockengeschoß wurde aufgemauert, ,,ohne jeglichen Unfall“. Der Turmdachstuhl wurde vom Zimmermeister Georg Tobias Friedelmüller aus Creußen gefertigt. 1700 wurde der Turmknopf aufgesetzt. Das Langhaus wurde um 5 1/2 Schuh erhöht und das Innere mit Gestühl und Emporen versehen. 1703 erhielt die Kirche eine Kanzel, gearbeitet vom Bildhauer Bernhard Häußler aus Pottenstein. Die Baukosten beliefen sich insgesamt auf 1177 fl.

 

Über dem Portal des westl. Vorbaues wurde 1932 ein Wappenrelief angebracht, das sich früher über dem westl. Portal befand. Beiderseits eines Kruzifixes sind die Wappen der von Künsberg und von Berlichingen zu erkennen, am Rahmen befinden sich seitlich je vier Agnatenwappen links:
v.Künsberg, v.Schaumberg, v.Seckendorf, v. Waldenfels, rechts:
v.Berlichingen, Zollner v.Halberg, v.Stetten, v.Schaumberg.

 

Die Inschrift darunter ist völlig verwittert. Aus der Sakristei ist die Holzfigur eines stehenden Engels zu erwähnen, die etwa 1700 entstand. Im Langhaus ist noch ein Epitaph für Johann Martin Vogel, einen Wohltäter der Kirche, zu sehen. (siehe Kapitel ,,die Vogel‘schen Stiftungen“, dazu auch Foto)

Weitere Umbauten erfolgten 1788 - 90, wo das Langhaus wieder um 2 1/2 Schuh erhöht, ein Giebel errichtet und die Fenster verändert wurden. Den einfachen Deckenstuck fertigte Johann Gerstendörfer aus Trockau . Dabei betrugen die Gesamtbaukosten 2204 fränk. Gulden. Seitdem wurde die Kirche im wesentlichen nicht verändert, nur der westliche Vorbau mit 4 Emporetreppen entstand 1892/93.

  • 1936 erfolgte eine Innenrenovierung,
  • 1955 wurde der Turm ausgebessert.

 

Die Kirche steht in der Mitte des Marktes an der Hauptstraße. Der eingezogene, nahezu quadratische Chorturm geht in seinen vier unteren Geschossen auf den Bau von 1591 zurück. In dem um eine Stufe erhöhten Chorraum befindet sich nach 3 Seiten je ein nachgotisches Spitzbogenfenster. Das Kreuzgratgewölbe liegt mit breiten Schildbögen auf kantigen Eckpfeilern auf.


Das Äußere ist überhaupt sehr einfach gehalten. Im 4. Teil des Chorturmes befinden sich drei kleine, rechteckige Fenster. Das um 1700 aufgemauerte, achteckige Glockengeschoss hat nach drei Seiten in der Achse große, rundbogige Schallöffnungen. Den Chorturm bekrönt eine achtseitige, geschiefert welsche Haube mit Zwiebelhelm. Am nördl. Chorwinkel ist die Sakristei angebaut, an der Westseite der Treppenaufgang zur Empore. Seitlich über dem Nordportal erkennt man noch ein verwaschenes Fresko des guten Hirten (18. Jhdt.).


Das Langhaus mit Walmdach hat eine Ziegeldeckung.


Im Innern ist das einschiffige Langhaus geprägt durch den Umbau von 1788/90. Unter dem Chor befindet sich die nicht mehr zugängliche Gruft der Familie Künsberg. Die rundbogigen, geschlossenen Fenster gehen nach Schädler auf den Bauinspektor Riedel zurück, vor allem wegen ihrer schmalen, hohen Form. Nach Westen, beiderseits der Orgel, geben zwei querovale Fenster weiteres Licht. Über dem stuckierten Gesims erhebt sich eine Flachdecke. Die umlaufende hölzerne Empore von 1700 ruht auf sechs Holzsäulen. Die Brüstung ist einfach gefeldert. Die auf Stützen lagernde obere Empore an der Nord- und Südseite wurde scheinbar 1788/90 aufgesetzt.


Johann Gerstendörfer fertigte den schlichten Spätrokokostuck. Die von zwei Engeln gehaltene Kartusche über dem Scheitel des Chorbogens wurde 1936 angebracht.
Der Orgelprospekt ist neuromanisch die Verzierungen dazu schnitzte der Bayreuther Bildhauer Franz Schuh. Das einfache Gestühl stammt aus dem Ende des 18. Jhdts., 1672 ist das Vortragskreuz datiert.

Im Chorraum hinter dem Altar befinden sich 4 Grabsteine:

  1. Sebastian Gütle, hochfürstl. brandenburgischer Ortsverwalter
  2. Pfarrer Magister Gabriel Kischwerdt
  3. Inschriftsplatte für das Söhnlein Hans Joachim des brandenburgischen Haushofmeisters und Verwalters Otte Kontz
  4. Pankraz Sonntag, „Pfarrer zu Schnabelwaid“)

 

Zu dem Streit um die Entstehung des Vorläufers der jetzigen Kirche, und vor allem um ihren Namen, ist folgendes zu berichten: Wenn Will in seinem ,,Teutschen Paradeiß“ im 17. Jhdt. von einer Kirche ,,St. Johannis“ spricht, so kann er wohl den Namen der ,,Frühmesse St. Johannes“ auf die Kirche übertragen haben, unter Umgehung der Schutzpatronin. Das Kirchweihfest wurde 1742 am 21. Sonntag post Trinitatis gefeiert. Seit dem 20. Jhdt. findet es Anfang/Mitte November statt. Die jetzige Kirche trägt den Namen St. Maria Magdalena.